Start und Landung eines Luftschiffes PDF Drucken E-Mail


Start

Vor dem Start wurde die Abfertigung der Passagiere, Fracht und der Post in der Luftschiffhalle vorgenommen. Danach erfolgte durch Abgabe von Wasserballast der Ausgleich von Auftrieb und Belastung. Dann erfolgte die Ausfahrt aus der Halle. Hierbei war die Bugspitze an einem fahrbaren Ankermast befestigt und das Heck ruhte auf einem Heckwagen.

Seitlich wurde das Schiff an angebrachten Laufkatzen festgelascht. Langsam wurde es von Seitenwinden abgesichert, auf den Platz vor der Halle, der ähnlich einer Eisenbahndrehscheibe mit Gleisen gestaltet war, aus der Halle manövriert. In der Mitte des Platzes wurde der Mast verankert und das Luftschiff in den Wind gedreht. Nach der richtigen Lage wurde der Heckwagen entfernt und das Luftschiff zum zweiten Mal ausgewogen, wobei es um 500 kg - 1000 kg leichter gemacht wurde. Dann erfolgt das Kommando "Luftschiff hoch". Hierbei wird das Schiff vom Masten gelöst, das Schiff erhebt sich, und die angeworfenen Motoren bringen es in Fahrt.

Ein wichtiger Punkt betrifft das Trimmen eines Luftschiffes vor dem Start. Durch eine falsche Trimmung bzw. Lastenverteilung bestand die Gefahr, daß das Luftschiff vertrimmt wurde. Dies hat zur Folge, daß das Gerippe durch einseitige Belastung in Mitleidenschaft gezogen wurde. Deshalb wurde vor jeder Fahrt ein Trimmplan aufgestellt auf dem die genaue Verteilung der Lasten im Schiff festgelegt wurde. Während der Fahrt wurde sorgsam über das Verhalten des Schiffes und den Brennstoffverbrauch gewacht um eine Vertrimmung zu vermeiden.


Landung

Bei der Landung fuhr das Luftschiff in Windrichtung an. Vor dem Herunterlassen der Taue und dem Stoppen der Motoren mußte das Luftschiff ausgewogen werden, d. h. es mußte ohne Motorkraft in der Luft "schwimmen". Wäre es leichter als Luft, würde es die Haltemannschaft event. in die Luft nehmen. Bei den Zeppelinen mit flüssigem Brennstoff mußte für jeden verbranntem Kilogramm Brennstoff 1 cbm Wasserstoff abgeblasen werden. Da dieses Abwiegeverfahren sehr umständlich war wurde es später verbessert.

Hierzu wurde ein gasförmiger Betriebsstoff (ein Gemisch aus Propan und Wasserstoff) entwickelt, der in etwa dem spezifischen Gewicht der Luft entsprach so daß beim Brennstoffverbrauch ein automatischer Ausgleich vorgenommen wurde. Diese gasförmiger Brennstoff wurde in speziellen Gaszellen untergebracht. So hatte das Luftschiff Graf Zeppelin 11 solcher Kraftgaszellen. Diese waren unterhalb der Auftriebszellen - Gaszellen für den Wasserstoff - untergebracht.

Nach dem Herunterziehen des Luftschiffes durch die Haltemannschaft wurde es in Windrichtung bezogen und auf den Mittelpunkt des Rundgleises vor der Halle gebracht. Danach befestigte man den Bug an dem Ankermasten und brachte am Heck den Heckwagen an. Nach der seitlichen Sicherung durch Seilzüge und Laufkatzen wurde das Schiff durch den Elektromotor des Ankermastes(dieser konnte mittels Schienen in die Halle gebracht werden) in die Halle bewegt. Die Passagiere konnten daraufhin in der Halle aussteigen und die Fracht bzw. Post wurde entladen.

Ein wichtiger Punkt nahm die Bodenorganisation vor einem Start bzw. nach der Landung ein. Hierzu zählte ein Pflegetrupp der die Schiffsbesatzung bei der Instandsetzung unterstützte. Dieser trug außerdem dazu bei, daß die Besatzung entlastet wurde und erfüllte zahlreiche Aufgaben vor Antritt einer Fahrt. Hierbei wurde der Schiffskörper, die Zellen, Motoren und Instrumente von speziellen Fachleuten gewartet. Während einer Liegezeit wurde das Schiff mit Sandsäcken beschwert und bei größeren Wartezeiten konnte man dieses sogar in der Halle aufhängen. Vor jedem Start wurde mit den Motoren ein Probelauf unternommen und die Steuer- und Kommandoinstrumente sorgfältig untersucht. Danach füllte man erst den Betriebsstoff und das Ballastwasser ein.


Zusatzinformationen

Wieviel Last bedeutete ein Passagier für ein Luftschiff?

Im Ballastplan von LZ 127 und LZ 129 wurden Passagiere als feste Last berechnet. Hierbei wurde mit 20 kg Freigepäck bei jedem Passagier mit einem Gesamtgewicht von 100 kg gerechnet. Hinzu kamen die Einrichtungsgegenstände seiner Kabine, ferner Getränke, Lebensmittel, Waschwasser und viele andere Dinge mehr. So kam man bei einem Passagier für die Reise nach Südamerika auf rund 300 kg. Bei der Post beschränkte man sich beim Nord- und Südamerikadienst auf Pakete bis zu 20 kg mit einem Umfang von 50*50*100 cm. Außerdem wurde Fracht in unterschiedlicher Größe noch mit befördert. Hier sah man die verschiedensten Dinge vom Kanarienvogel bis zum Sportflugzeug.

Anzahl der Fahrgäste?

Beim Bau der LZ 129 Hindenburg wurden die Fahrgasträume ins Schiffsinnere gebaut und man gewann auf diese Weise zwei übereinanderliegende Decks. Man konnte somit die Passagierzahl von 20 (LZ 127 Graf Zeppelin) auf 55 erhöhen. Die verfügbare Grundfläche wurde dadurch erheblich erhöht. Außerdem wurde der Luftwiderstand der Hauptgondel, die nur noch als Führergondel benutzt wurde (und somit kleiner ausfiel), wesentlich geringer.

 
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